Vorschleifen und Entgraten von Blech
Nach dem thermischen Trennen, Stanzen oder Nibbeln weisen Blechbauteile häufig Primärgrate, Spritzer, Zunderreste oder Unebenheiten auf. Diese Abweichungen vom Sollzustand können die nachfolgende Kantenbearbeitung beeinträchtigen und führen häufig zu erhöhtem Werkzeugverschleiß, instabilen Prozessen oder unzureichenden Bearbeitungsergebnissen. Das Vorschleifen und Entgraten dient daher dazu, einen definierten und reproduzierbaren Ausgangszustand für die weiteren Prozessschritte zu schaffen.
Im Prozessschritt Vorschleifen werden Oberflächenunregelmäßigkeiten, Schneidspritzer und störende Randzonen kontrolliert entfernt. Gleichzeitig erfolgt die gezielte Entfernung des Primärgrats, der beim Trennprozess als Materialüberstand an der Schnittkante entsteht. Eine vollständige Primärgratentfernung ist entscheidend, da unzureichend abgetragene Gratreste durch plastische Verformung zu Sekundärgraten führen können. Diese liegen flächennah an der Bauteiloberfläche an und erschweren die nachfolgende Kantenbearbeitung.
Für das Vorschleifen und Entgraten kommen je nach Material, Bauteilgeometrie und Bearbeitungsaufgabe unterschiedliche Werkzeuglösungen zum Einsatz. Schleifpapierbänder, Schleifgewebebänder und Schleifgewebebögen werden verwendet, um Primärgrate, Spritzer und Oberflächenunregelmäßigkeiten kontrolliert abzutragen. Schleifklettscheiben in Kombination mit Klettschaumträgertellern ermöglichen eine flexible Bearbeitung komplexer Konturen und schwer zugänglicher Bereiche. Fiberscheiben und Lamellenschleifräder eignen sich für höhere Abtragsleistungen bei lokalen Bearbeitungsaufgaben, während Vliesklettscheiben und Schleifsterne für feine Schleifarbeiten und leichte Entgrataufgaben eingesetzt werden.
Das Ergebnis dieses Prozessschritts ist ein homogener und bearbeitbarer Bauteilzustand mit reproduzierbaren Eigenschaften von Kante und Oberfläche. Dadurch werden die Voraussetzungen für das nachfolgende Entgraten, Kantenverrunden, die Oxidentfernung sowie das Oberflächenfinish geschaffen. Gleichzeitig werden Prozessstabilität, Werkzeugstandzeiten und die Qualität der Weiterverarbeitung verbessert, wodurch Nacharbeit, Ausschuss und Durchlaufzeiten reduziert werden können.